Vier Generationen HEPCO – Die Geschichte der etwas anderen Manufaktur

Skizze für ein Werbeaufsteller für Hepco. Im lauffevon Hepcos Geschichte besonders ind en 70ern wurden hunderte solcher Zeichnungen angefertigt.
Das Familienwappen Heptings welches als inhabergeführtes Unteehmen auch immer wieder bei Hepco in Erscheinung trat.
Das Familienwappen Hepting

H

epco – das sind 100 Jahre voller Aufstiege, Niedergänge, Innovationen und Neuerfindungen. Schon Carl Heptings Großeltern betrieben vor 140 Jahren eine Gerberei, in der Carl Hepting seine Liebe zum Lederhandwerk entdeckte.


Erst Zufall, dann Berufung🙋‍♂️💁‍♀️

Die Großeltern von Carl Hepting, welche bereits im 19 Jahrundert eine Gerberei betrieben.
Die Großeltern Carl Heptings, welche bereits im 19 Jahrundert eine Gerberei betrieben.

Eigentlich ist es sogar Zufall, dass die Manufaktur Carl Hepting am 1. März 1922 überhaupt gegründet wurde. Carl half einem flüchtigen Bekannten und fuhr ihn von Prag zur Hohen Festung Asperg. Es stellte sich heraus, dass dieser Bekannte Bodenmatten in großem Stil herstellte – und promt war er da, der erste Auftrag: Der Boden für die brandneuen Stuttgarter Strassenbahnen aus einem Teppich kleiner Lederstücke.
Ganz ehrlich: Klingt noch so gar nicht nach Mode, oder? Abwarten 😌☕

Die Neue Stuttgarter Strassenbahn an der Weinsteige, Anfang der 20er.

🗽International von Anfang an…🗼

Hepco-Azubis in Hongkong im Jahre 1962. Hongkong war damals das wichtigste Handelszentrum in Asien.
Hepco-Azubis in Honkong 1962

Wenn man Hepco mit einem Wort beschreiben müsste, wäre es international, und nicht weil es ein Buzzword ist🙄! Carl Hepting reiste ab 1920 zwischen Asien und Afrika, Skandinavien und dem Balkan hin und her. Von 12 Monaten – so sagte man – war er mindestens 9 auf Geschäftsreise. Und Carl war umtriebig, sehr, seeehr umtriebig. Die Kontakte dieser Reisen waren Grundlage für eine Manufaktur, die von Anfang an Gürtel für die Welt produzierte.

💞Hepco und der Gürtel
– Liebe auf den ersten Blick💝

Arbeiterinnen stellen HEPCO-Gürtel fertig. Täglich wurden seit 1950 zehntausende Gürtel von HEPCO hergestellt.
Gürtel in der Endfertigung um 1950. Das Modell links sieht nicht zufällig Broady ähnlich.

War klar, dass Hepcos erster Verkaufsschlager selbst für die 1920er kurios war: Ein Ledergürtel für Kolonien?🤔

Nun ja, es funktionierte auf jeden Fall überraschend gut. So überraschend, dass Hepco förmlich explodierte:

In bloß zwei Jahren wurde aus EINEM Mitarbeiter EINHUNDERT und Mitte der 20er machte Hepcos Export 85% der gesamten deutschen Gürtelindustrie aus. So viel zum Thema international.😎

✨🎈Paris, wir kommeeen🎈✨

Der Exportanteil Hepcos war dafür verantwortlich, dass die Firma, im Gegensatz zum Rest der Branche, in den Wirren der 1920er weiter wuchs.

Derweil gründete Carl Hepting Ceintures Modernes, Hepcos französische Schwester. Mit Ceintures Modernes ging Hepco den Schritt zu den „Stadtkoffern“, die lange Zeit zweites Standbein waren. (Anmerkung: Eine deutsch-französische Firma namen „Moderne Gürtel“ verkaufte ausgerechnet Parisern „Stadtkoffer“?? Damals war echt alles möglich🕺💃)

Die Jordanische Königsfamilie,
das Arabische Königshaus,
König und Zar von Bulgarien

…waren besondere Kunden mit besonderen Wünschen.
Kudos an Leopold II. und Ferdinand I. an dieser Stelle!🖐

Hepco während des 2. Weltkrieges

Lederhäuter werden für Hepcos Gürtelproduktion getrocknet und vorbereitet. Vermutlich Ende der 30er.
Lederhäute werden für die Gürtelproduktion vorbereitet. Vermutlich Ende der 30er.

Auf jeden Fall war es mit den Experimenten spätestens Mitte der 30er vorbei. Hepco rückte von Anfang an in den Fokus der NS-Aufrüstungsorganisationen.

Bei Kriegsausbruch musste auf Kriegsproduktion umgestellt werden. Die Mitarbeiterzahl wuchs bis 1941 auf 1200 an. ’43 wurde fast das gesamte Hepco-Gelände beschlagnahmt. Bomben über Gürtel… wir wissen alle wozu das führt.

Für Hepco verblieben nur wenige Nebenräume. Trotzdem versuchten Hepting und seine Freunde moglichst viele Gürtel für Zivilisten herzustellen. Schließlich – 1944 – wurden auch die Reste des ein größten Deutschen lägvöllig zerstört:

Aufstieg und Niedergang
– Das bleibt nicht das einzige mal.

Doch bereits nach Kriegsende lief im Juli 1945 die Produktion mit einigen hundert Arbeitern für die Besatzungsmächte wieder an. Sie wussten, dass die Marbacher gutee Produkte herstellten. Und hey, es wäre nicht Hepco gewesen, wenn es nicht gelungen wäre auch hier einen Teil der Fertigung für zivilen Bedarf abzuzweigen.

😡1946: Die EMPÖRUNG😡

Nach dem Zweiten Weltkrieg ergaben sich sehr viele Chancen, man musste nur aufmerksam genug sein. Hepco erkannte, dass die Fotoindustrie zu diesen Chancen gehörte und stellte mit Hepco stellte bereits in den vierzigern kompakte Kamerataschen her, wie sie auf diesem Bild zu sehen sind. In der Mitte befindet sich eine Aufnahme mit Hunderten Mitarbeitern, die diese Fototaschen herstellten.
HEPCO-Fototaschen & Herstellung ca. 1947. Nach dem 2. Weltkrieg vielleicht etwas zu früh zu gut…

HEPCO schaffte es einen ganzen Weltkrieg lang, sich der Aufmerksamkeit einigermaßen zu entziehen. Dann dauerte es genau ein Jahr, bis es richgtig Schlagzeilen machte: Wie konnten die Deutschen, nach dem verheerensten Krieg aller Zeiten, bereits 1946 wieder hochwertige Ware exportieren??

Diese Frage stellte sich zumindest den Allierten. Besonders in England sorgte der erste Nachkriegs-Export-Katalog von HEPCO 1946 für Aufregung. Er zeigte Lederkoffer, Akten-, Collegemappen, Damenhandtaschen aus Leder und außerdem die Gürtel, die seit langer Zeit wieder in größerem Umfang hergestellt wurden, 1946 aber vor allem im sinne Engländer viel kürzer hätten sein dürfen.

🚀Der Aufstieg – ein Wirtschaftswunder🚀

Weil Du bis hierhin gelesen hast, erstmal herzlichen Glückwunsch🎉✨. Dein Geschichtsinteresse ist so großartig, dass wir mit Dir gerne ein bisschen plaudern möchten. Komm in unsere Manufaktur nach Marbach und sag das Codewort: GESCHICHTEUNDSO. Dann bekommst Du einen Kaffee und wir zeigen Dir alles von und über HEPCO ❤

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges stand Hepco mit Nichts da. Es gibt es nur eine Richtung. Um es kurz zu machen:

  • 1945: Nichts + Ein Riesenhaufen Träume.
  • 1946: 500 Mitarbeiter.
  • 1947: Auf der ersten Auslandsmesse in Basel
  • 1949: Hepting reiste nach New York auf die erste Nachkriegsmesse für deutsche Unternhemen auf amerikanischem Grund.

Funfact: Hepco ist ein Begründer der ILM

Als die Lederwarenbranche von Frankfurt endgültig nach Offenbach zog, wurde Hepco Mitbegründer der Internationalen Lederwaren Messe Offenbach . Bis dieses Jahr sind wir einer der ältesten Austeller, die noch existieren.

🚲50er & 60er: Auf der Überholspur🚲


Zurück zum Thema. Wie Du nun weißt, spielte die Mode in der Welt der Gürtel lange ein eher untergeordnetes Thema. Das änderte sich in den 50ern gewaltig….

Was machten wir?😏

Ausstellungsbusse namens "Export-Kuriere" brachten im nahmen von Hepco die Ware zu potentiellen Kunden. Foto: 1961
HEPCOS „Export-Kuriere“. Aus einem wurden sieben.

HEPCO überraschte kurzerhand die Branche eines ganzen Kontinents mit einem Ausstellungswagen, der als fahrendes Musterzimmer das gesamte HEPCO-Programm durch Europa transportierte.

Hepco-Ledertaschen bei der Biathlon-Weltmeisterschaft 1966 in Gamisch-Patenkirchen. Hepco sponsorte die Deutsche Nationalmannschaf.

Oh la la: Anfang der 60er wurde HEPCO-FRANCE gegründet. Hepco war zurück in Paris und wieder auf dem französischen Modemarkt.

🌍Die 70er: Gürtel für die ganze Welt🌏

Links sieht man einen Designer, der für Hepco neue Gürtel und Schließen entwirft. Rechts baut eine Designerin gerade die ersten Prototypen eins neuen Modelles.
Hepco Gürtel entstehen Anfang der 80er im hauseigenen Designstudio und werden später von der Gerbung bis zur Schließe in-House gefertigt.

In den 70ern erreichte HEPCO seine größte Ausdehnung. Aus der einstigen Manufaktur ist eine internationale Firma geworden, die täglich zehntausende Artikel für den Weltmarkt herstellt. 1973 wurde in Pfullingen die modernste Kofferfabrik ihrer Zeit fertiggestellt. Täglich liefen bis zu 5000 Koffer und 1000 Ledertaschen vom Band – das waren über eine Millionen Lederkoffer pro Jahr. Bei Gürtel sprechen wir von ca. 50.000 Stück pro Tag.

Vom Gürtel bis zur Reisetasche zur Reisetasche wurden komplette Reisesets angeboten. Ein Großteil des Leders wurde in der Hauseigenen Fabrik gegerbt.

🥀💥Der Niedergang💨😂

Ehemalige Hepcomarken im Jahre 1978. Dazu gehörten Neben Telstar und Appolle auch die TaschenmarkenBoss und Trapper.
Ehemalige Hepco-Marken, 1978. Neben Telstar und Appollo gehörten auch die Taschenmarken Boss und Trapper dazu.

Ende der Siebziger wendete sich das Blatt: Outsouring, Modekonzerne und internationales Preisdumping machen HEPCO zunehmend das Leben schwer.

Es wurde immer klarer: Die einstige Stärke, HEPCOs Exportfokus, wird zur Kostenfalle, denn HEPCO kann als Großproduzent nicht mehr mit den Konditionen eines Weltmarktes mithalten.

HEPCO verpasste den Absprung. Die heimische Bekleidungsindustrie wurde das erste Opfer der Globalisierung, und wir blieben nicht verschont. Nach der Ersten Insolvenz Ende der 80er folgte die Zweite und letzte 2002.

Die Koffersparte wurde verkauft

Von Nichts zu Allem und wieder zurück,
das hätte das Ende sein können.

💡 Der Neustart 🕶

Das Modell R a i n b o w steht ein bisschen für unsere Geschichte.

Doch wer glaubt, dass ein bisschen Katastrophe Hepco verschwinden lässt, der kennt die Marbacher schlecht. Einige Hepco-Mitarbeiter (wir 🙂) kauften Anfang 2000 die Gürtelproduktion aus der Insolvenzmasse und fertigen weiter – kleiner, realisitischer und individueller.

Von der Manufaktur zum Gobal Player und zurück zur Manufaktur.
Genug Geschichte, lasst uns endlich Gürtel machen!

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